Nachdem ich in meinem Tagebuch bisher zwei Bücher sehr ausführlich vorgestellt habe kam von DanHan die Idee hierfür einen
Sticky zu machen um mehr Leute in den Genuss solcher Informationen und auch andere zum Mitmachen zu bringen..
Daher der Aufruf: Berichtet mal ein wenig ausführlicher über gute oder schlechte Bücher die ihr gelesen habt! Muß nicht Seitenlang sein wie bei mir

. Aber nur den Titel und Verfasser nennen wäre auch etwas wenig
Wäre wunderbar wenn ihr hier NUR schreibt um Bücher oder andere Artikel vorzustellen um den Thread möglichst sauber zu halten! Macht zu Diskussionen bitte einen andere Thread auf.
Lebensmittel - Eine Verteidigung gegen die industrielle Nahrung und den Diätenwahn von Michael Pollan (Deutsch)
Mein fünftes hier vorgestelltes Buch bewegt sich ziemlich abseits der vorangegangen Themen, es geht um die Ernährung und eben 'Lebensmittel'. Außerdem ist es das erste Buch das ich nicht im Orginal gelesen habe, sondern eine Übersetzung! Orginal Titel:
In defense of food. An Eater's Manifesto.
Die Einleitung fängt eigentlich schon mit dem Schluß an:
Essen sie Lebensmittel, nicht zu viel und vorwiegend Pflanzen. Die Restlichen 220 (+ 30 Seiten Quellenangeben!) dienen dazu diese einfache Empfehlung zu begründen, zu untermauern und ausführlicher darzulegen.
Weiter werden die 3 Hauptkapitel kurz angerissen so daß der Leser erfährt was ihn erwarten wird.
- Das Zeitalter des Nutritionismus
Im ersten Drittel des Buches wird die 'im Westen' vorherschende Reduktionswissenschaft und die 'erfolgreiche' Arbeit der Lobbyisten
in Amerika (also evtl nur bedingt 'auf uns' übertragungsfähig) aufgezeigt. Der weite Weg von den Nahrungsmitteln unser Ur(ur...ur)großeltern über Justus von Liebig der Anfing die Grundbauelemente der Nahrung zu identifizieren (und dabei z.b. die Bouillon entwickelte und leider auch Vitamine übersah so daß Babys die mit Milchersatz großgezogen wurden sich nicht so prächtig entwickelten) bis zu aktuellen Entwicklungen in der Ernährungswissenschaft. Reduktionswissenschaft daher weil diese eben versucht alles 'auf die einen guten/bösen Stoffe zu reduzieren' und bei neuen Erkenntnissen 'sofort' Anpassungen in den weiterverarbeiteten Nahrungsmittel folgen. Da werden Brotsorten nachträglich mit Vitaminen 'geimpft', aus der Margarine verschwinden die erst heilversprechenden Transfette um durch Omega-6 oder neuerdings durch Omega-3 Fettsäuren ersetzt zu werden.
Einige extreme Anwender dieser 'es kommt nur auf die
Proteine/Kohlenhydrate/Fette an' Theorien werden vorgestellt. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen daß John Havey Kellog dem T. Roosevelt Joghurteinläufe und Proteinenthalt verordnet hatte

Ebenso wird Kritik an einigen bedeutenten Studien, z.b. der 'Nurses Health Study' angebracht, so hätten sich z.b. im Laufe der Jahre die Kontrollgruppen für 'fettarm und fettreich' durch allgemeine Veränderungen der Essensgewohnheiten soweit aneinander angepasst daß die Aussage Kraft der Studie wohl nahe Null kommt.
- Westliche Ernährung und Zivilisationskrankheiten
Meiner Meinung nach etwas überraschend folgt, nach der vorherigen Kritik, eine zum großteil wissenschaftlich basierte Auseinandersetzung mit den bekannten Folgen der 'Westlichen Ernährung'. So wird eine Studie vorgestellt in der 10 'westlich lebende' Aboriginies wieder ausgewildert wurden und sich ihre gesundheitlichen Probleme innerhalb von nur 3 Monaten wesentlich besserten.
Großflächig wird die gesamte weiterverarbeitente Nahrungsmittelindustrie untersucht, die Folgen der hohen Energiedichte 'moderner' Erzeugnisse, deren geringen Spurenelemente, die immer weiter abnehmenden Balaststoffanteile, die Umdrehung von Verhältnissen von Omega-3 zu -6 Fettsäuren und deren bisher untersuchten Auswirkungen.
Die engen Maschen im ewigen Verbund aus Lebensmitteln und des Menschen wird aufgezeigt. So sind Früchte dann am süßesten wenn die Kerne reif sind.. "Verbreite meine Samen dann ernähre ich dich..". Menschen die frühzeitig Viehanbau betrieben entwickelten Enzyme um Milch auch als Erwachsene verdauen zu können.
Die folgende schleichende Vereinfachung unseres Essensplanes und das aufreissen dieser Maschen dank der Industrialisierung. Immer weiter überwiegen Mais (Maissirup) und extrem verarbeiteter Soja, polierter Reis und blütenreines raffiniertes Mehl und Zucker. Und der immer geringer werdenden Zeit die wir mit der Ernährung verbringen, Fastfood 'seit Dank'.
- Den Nutritionismus überwinden
Im letzten Kapitel werden mehrere 'Regeln' angeführt und ausführlich erklärt die dazu dienen sollen eben den ganzen vorher angebrachten negativen Entwicklungen zu entkommen.
Angefangen mit 'Was sind Lebensmittel' (z.b. 'Iss nur was deine Großmutter erkannte hätte', 'Iss nichts was du nicht kennst, mehr als 5 Zutaten hat, Zutaten die unaussprechlich sind', 'Iss nichts das behauptet
gesund zu sein'). So ist selbst in einfachem Joghurt oft mehr drinnen als Milch und Bakterien, das wäre nichts für meine Oma gewesen. Kartoffeln werden nie behaupten
gesund zu sein obwohl sie es wohl mehr sind als 'angeblich gesunde Chips'..
Es wird empfohlen der Nahrungskette wieder mehr Bedeutung zuzugestehen, 'Iss Sachen die auf gesunden Böden wachsen'.. also kehre wenn möglich dem Supermarkt den Rücken und geh zum lokalen Bauern.
'Zahlen sie mehr aber essen sie weniger', ein Argument mehr auf Qualität als Quantität zu achten und im folgenden auch mehr auf die sozialen Aspekte zu achten, nie alleine zu essen, man schämt sich ehr vor anderer Augen viel zu essen und mit Freunden ist der Genuß höher.
Im Buch selbst sind es wesentlich mehr dieser Regeln, keine Angst

- Dank und Quellenangaben
Fast 30 Seiten sollten dem geneigten Leser mehr als genug Möglichkeiten für weitere (wissenschaftliche) Studien und interessante Lektüre bieten.
Fazit:
Das zweite Kapitel mag ein wenig wie ein Widerspruch in sich wirken, aber ganz ohne wissenschaftliche Argumente für die Ideen des Buches geht es wohl nicht.. auch wenn das Buch allgemein nicht viel gutes an der (Reduktions-)Wissenschaft lässt. Der Rest ist sauber dargelegt und gut erklärt. Auch wenn es wohl einige erwarten gibt es keine Anleitung für gesundes Essen, die 'Regeln' die das Buch vorschläg lassen unglaublichen Freiraum und fordern diesen teilweise auch. Gemüse und Obst der Saison ist unglaublich abwechslungsreich. Nach dem Lesen des Buches möchte man gleich auf den nächsten Bauernhof stürmen. Bei nur 8€ sollte jemand der sich mit dem Thema anfreunden kann auf jedenfall zuschlagen!